Diese Seite drucken
PDF erzeugen

Editorial

Den Gewerbeämtern bzw. Verwaltungen im Allgemeinen wird seit einiger Zeit prophezeit, sie müssten sich auf einen einschneidenden demografischen Wandel einstellen. Nicht nur die Altersstruktur der Gesamtbevölkerung ändert sich, sondern auch die Gesamtanzahl der Bürger ist rückläufig. Zudem scheint die höhere Attraktivität der Städte gegenüber ländlichen Regionen ungebrochen.

Nicht selten münden die jüngsten Effizienzsteigerungsbemühungen der Ämter in vielerorts beobachtbare Erweiterungen von Verwaltungsgrenzen. Diese senken die öffentlichen Aufwendungen, was im Hinblick auf zukünftig geringeren Einnahmen absolut notwendig ist, verlängern aber auch den Weg zwischen Amt und Bürger. Die Grenzen dieses Ansatzes sind in Sicht. Doch die Notwendigkeit von Leistungssteigerungen gilt als sicher: die Aufgabenvielfalt nimmt zu (siehe Doppik und EU-Dienstleistungs- richtlinie) und klassische Gewerbeamt-Dienstleistungen, wie beispielsweise die Gewerberegisterauskunft, bekommen ernst zunehmende private Konkurrenz.

Schon an dieser Handvoll Fakten ist erkennbar, dass die Verwaltungsarbeit heutzutage neben dem Gesetz weiteren Anspruchstellern genügen können muss. Der Bürger selbst rückt in den Mittelpunkt der Lösungsvorschläge und klassische ökonomische Schlagworte wie Service und Controlling gewinnen im Fachvokabular der Verwaltungen weiter an Bedeutung.

Man wird nicht alles, was derzeit diskutiert wird, gleichzeitig realisieren können. Viele neue Aufgaben werden nicht als Zuwachs sondern als Ersatz konzipiert werden. Häufig entsteht allerdings der Eindruck (siehe Umsetzung der EU-DiRiLi), es wird von einer Reorganisation als einmaliges Sonderereignis gesprochen. Realistischer ist es wohl, von einem notwendigen kontinuierlichen Veränderungsprozess auszugehen.

Sinnvoller Technikeinsatz

Es mangelt nicht an Ansätzen in der klassischen Prozessoptimierung, welche im Fahrwasser der EU-DiRiLi-Umsetzung in aller Munde ist:

  • doppelte Arbeitsschritte werden abgeschafft
  • Aufgaben wie Antrags- und Vorgangsbearbeitung lassen sich zusammenfassen
  • elektronische Hilfsmittel ermöglichen den gleichzeitigen und parallelen Zugang zu Verwaltungsprodukten unabhängig von den beteiligten Personen
  • Prozesse kommen den beteiligten Personen entgegen (bspw. über das Internet) und verlagern den kostenintensiven Aufwand vom Amt zum Leistungsempfänger (bspw. wenn der Auskunftssuchende sich sein Ergebnis selbst zusammenstellt)
  • Aufgaben wie der Massendruck lassen sich auslagern
  • Routineaufgaben können automatisiert werden (bspw. Datenübermittlungen)

Leider entsteht bei der Betrachtung der Pilot- und Leuchtturmprojekte der Eindruck, es wird vor allem nach technischen Antworten gesucht – Stichwort eGovernment. Doch Verwaltungsprozesse und -produkte realisieren sich nur durch Menschen und die eingesetzte Technik ist nicht die generelle Antwort, sondern schafft Freiräume für persönliche Kontakte. Oder anders ausgedrückt: Technik ermöglicht mehr Beziehungen zu Bürgern pro Verwaltungskraft. Gefragt sind Fachkenntnis, Entscheidungs- und Navigationskompetenz und geringe Wartezeiten. Somit gibt es neben dem technisch orientierten eGovernment das Äquivalent der persönlichen Zusammenarbeit über bestehende Verwaltungs- und Zuständigkeitsgrenzen.

Das Ziel: kostengünstige und komfortable Bürgerangebote

Auch für uns soll die Bürgerorientierung den zentralen Punkt bilden. Folgende Anforderungen werden näher betrachtet:

  • Anlaufstellen unabhängig von der funktionalen Zuständigkeit („kurze Wege“)
  • fallabschließende rechtssichere Beratung
  • hohe Verfügbarkeit von Verwaltungsprodukten und -dienstleistungen
  • geringe Durchlauf- und Wartezeiten in Verwaltungsprozessen
  • hohe Transparenz bzw. gute Verständlichkeit von Verwaltungsprozessen

Status Quo

Die Vernetzung von Behörden aller Art gilt als Notwendigkeit. Die damit verbundenen Investitionskosten lassen sich für die Viele der Verwaltungen nur im Verbund realisieren. Solche Softwaresysteme müssen mandantenfähig sein. Ähnlich wie im Meldewesen werden Schnittstellenstandards als Regeln für den Anbietermarkt benötigt. Ebenso sind existierende Lösungen wie der OSCI- Versand leicht für Gewerbedaten adaptierbar. Die neuen HSH-Internetkomponenten sind ein integraler Bestandteil von GESO. Eine hohe Servicequalität im Internet ist durch die Nutzung vorhandener Referenzdaten des Gewerbeamtes (bspw. das Orts-Strassen-Verzeichnis) erreichbar. Auch die Mehrsprachigkeit und die Schnittstellenoffenheit gehören zu unseren Grundsätzen. Das Gewerbeamt bleibt unserer Meinung nach der begehrteste Ansprechpartner. Die Internetkomponenten lassen sich nicht nur von EU-Bürgern (inkl. Deutschen), sondern auch von Einheitlichen Ansprechpartnern nutzen. Diese übernehmen wie bei der interkommunalen Zusammenarbeit die Beratung zur Antragstellung oder stellen im Auftrag den Antrag selbst.


| del.icio.us | digg.com | reddit.com | ma.gnolia.com | newsvine.com | furl.net | google | yahoo | technorati.com |